Vielen Dank!

Gute-Werbung

Seit Juni 2006 kommentiere ich das, was mir auffällt im Werbetreiben der Schweiz.

Seit Dezember verzeichnet der Reklame-Blog regelmässig über 350 Besuche (Visits) pro Tag. Das ist beachtlich. Ich möchte Euch allen danken für das Interesse und verspreche Euch, auch im neuen Jahr mein Bestes zu geben, Euch gut zu unterhalten.

Wenn Ihr mir ein kleines Geschenk machen möchtet, so leitet doch einfach die Blog-Adresse an Eure Kollegen und Freunde weiter: http://reklame.moblog.ch. Vielleicht finden sich ja noch mehr Reklame-Affiniciados.

So, jetzt aber genug für 2006. Ich wünsche Euch schöne und geruhsame Festtage. Bis zum 3. Januar mache ich eine Pause. Danach geht es mit neuen Geschichten weiter.

Mit grossformatigen Grüssen
Paul Reinzeichner

Denner: Schöne Weine

Bar-D-Vino

Gestern war ich jetzt endlich einmal in der neuen Weinbar D-Vino. Das ist ein weiterer Schritt, dem Denner eine Positionierung weg vom reinen Harddiscounter aufzusetzen. Und das klappt gut. Da bleiben Aldi und Lidl (?) definitiv auf der Strecke. Gibts die überhaupt (noch) in der Schweiz?

Die Bar sieht stylish aus, leider etwas gar so wie heute alle neuen Bars aussehen: Reduzierte Einrichtung und natürlich gedämpftes Licht. Dafür aber ausnahmsweise mit sympathischem Personal.

Die Weinkarte besteht aus dem Denner-Sortiment, das Angebot an kleinen Speisen sei sehr gut, schreiben die Kritiker.

Denner beweist viel Mut. Auch wenn die Bars zukünftig keinen grossen Gewinn abwerfen sollten, ist das doch eine schöne Massnahme Werbung für das eigentliche Kerngeschäft zu machen: Das Weinsortiment.

P.S. Der Denner-Schämpis hat gestern Abend im Kassensturz den Test gewonnen.

Cablecom: Ideenlos und billig

Frau-hebt-ab

Die junge Frau jubelt. Hat sie etwas gewonnen? Nein, im Gegenteil. Sie hat gerade einen Vertrag mit Cablecom abgeschlossen.

Das ist die Firma mit den Absahnern im Management, dem miserablen Kundendienst, dem kontinuierlich abnehmenden Leistungsumfang im TV-Angebot und - als Folge von all dem - einem himmeltraurigen Image.

Aber bleiben wir bei der Reklame und machen wir es kurz: Das Inserat ist doof, eine Idee ist nicht auszumachen und der Jubel-Hupf ist lächerlich.


Davos: Hochstimmung im Nebel?

Davos-im-Schnee

Davos wirbt mit sympathischen Motiven und verdient dafür ein Lob. Der Schümli-Pflümli spricht denn auch auf den ersten Blick an. Na dann Prost, könnte man doch sagen und zum gemütlichen Teil übergehen. Aber halt, da stimmt etwas nicht.

Was will uns dieses Bild sagen? Bei mir kommt das rüber wie: In Davos hats ganz viel dicken Nebel und unten im Tal nicht. Hä? Kann nicht sein, oder? Ist auch nicht so gemeint. Im Text kommts dann: Es geht um den Schnee.

Da hätte sich vielleicht eher etwas mit weissem Pulver angeboten. Hier ein Selbstversuch.

Davos-Reloaded

P.S. Hoffentlich nehmen sich die Wirte in den ohnehin schon teuren Schneebars jetzt kein Beispiel am halbvollen Glas.

Ikea: Design in da House II

Nettes-Kissen

Hier hat Werbung gewirkt. Das da oben ist der Beweis. Mein neues Kissen aus der Stockholm-Design-Linie von Ikea.

Die Kampagne hat mich nicht total überzeugt. Diese handschriftlichen Headlines sind irgendwie nicht das, was ein Freund guten Designs mit eben diesem verbindet.

Sieht ja eher nach Do-it-yourself aus. Das könnte auch abschrecken. Auf "Mach Dein Ding" hat ja nicht jeder Lust. Aber nett kommts rüber, so richtig skandinavisch halt.

Mit dem immensen Werbedruck inklusive einer Teaser-Phase - hatten wir schon länger nicht mehr - hats gut funktioniert.

Plakat Teaser-Aushang
Teaser-Plakat

Plakat zur Auflösung
Aufloesung

Design = Mehr verdienen? Der Hubacher aus Rothrist versucht seit einiger Zeit mit dem neuen Design-Center seine Positionierung aufzumöbeln.

Compass: Marken machen Kids depressiv

Werbung-macht-Kids-doof

Die linke englische Organisation "Compass" - die kein Schwein kennt - hat das und noch mehr herausgefunden.

Beispielsweise, dass sieben von zehn Kindern im Alter von 10 (zehn) Jahren das McDonalds-Logo erkennen, aber ihren eigenen Nachnamen nicht wissen.

Das ist im Aufmacher-Artikel der leider noch immer praktisch werbefreien Abendzeitung "Heute" zu lesen.

Aha, und daran ist nun die Werbung schuld. Zum Glück sprechen sich die Pomms mit dem Vornamen an.

Pastorini: Gut Holz

Uboot

Wie bekannt, habe ich eine - wer weiss, gar mit Erlebnissen aus frühester Kindheit verbundene - Abneigung gegen diese hölzigen Dinger.

Aber gute Werbung kann man damit machen. Nach JWTHF hat sich nun auch Publicis der Materie auf hohem Niveau angenommen. Indirekt und pädagogisch wertvoll wird an die Entscheider argumentiert. Die Agentur hat eine neue Spielart von "Ich-bin-auch" gefunden, was hier sehr gut funktioniert.

Ich, für mich bleibe beim Plastik. Auf meiner Wunschliste steht der Robosapien V2. Schiessen tut er nicht, dreinschlagen auch nicht, aber sonst kann er eine ganze Menge.

Vielleicht sogar mit Klötzen spielen. Das wäre dann das Happy End. Vielleicht läuft er aber auch amok und schiesst das Meersäuli ab. Hoppla, jetzt bin ich wohl wieder auf den Holzweg. Tschuldigt.

Casino Baden: You only live twice


Fuer-Goldfinger

Daniel Binswanger schrieb im letzten Tagi-Magi: "Casino Royale ist der prüdeste, lustfeindlichste, unfrivolste James-Bond-Film aller Zeiten. Und das Schlimmste ist: Dem Publikum gefällts." Stimmt, ein guter Action-Film, aber nicht mehr.

Was wir eigentlich von Daniel Craig erwartet dürften, bietet uns das Grand Casino in Baden: Eine gute Portion Männerphantasie für die kalten Tage.

Die Kampagne wurde mit Leidenschaft weiterentwickelt, hat sozusagen ein zweites Leben nach dem Skandäli erhalten. Danke für die Hartnäckigkeit, liebe Agentur, lieber Kunde.

Die Lady ist weg. Hat sie vielleicht der Mann mit dem goldenen Colt mitgenommen?

Sandoz: Wirkt gut

Heilen-in-Gruen

Ein Nachtrag sozusagen. Die Plakate hängen ja schon eine Weile. Aber die Kampagne ist eine Erwähnung wert. Novartis lanciert unter der altbekannten Marke Sandoz ihr Generika-Geschäft neu.

Die konsequente Umsetzung dient der Sache. Viele bunte Farben, oben links immer die angeschnittene Ecke und die Texte mit doppeldeutiger Ironie. Ich finde die Sujets zwar etwas gar chemisch und emotionslos. Aber seriös wirkt's natürlich schon. Medis spicken tut man ja auch nicht zum Spass.

Den Regenbogen der Konkurrenz von Mepha finde ich irgendwie netter, näher bei den Leuten. Dieses Key-Visual ist ein positives Bild und ist gleichzeitig der Link zur Verpackung. Die glücklichen Menschen sind auch nicht mein Fall. Das dürfte aber funktionieren und bessere Sympathie- und Erinnerungswerte bringen als bei Sandoz. Der Herr Kroeber-Riel hätte daran sicher auch seine Freude.

Beide Kampagnen funktionieren und differenzieren.


???: Grosses Interesse an was?

Wer-das-wohl-ist

Im heutigen Persoenlich.com-Newsletter wird die rätselhafte Kampagne eines misteriösen Kunden vorgestellt. Die Zielgruppe verfügt "über ein ausserordentliches Wissen und grosses Interesse", sagt Martin Spillmann von SFLB. Ob das Interesse auch das Rätsellösen einschliesst?

Der "Medienlese"-Blog hat das Kreuzworträtsel schon am 2.11.2006 gelöst.

Diese zugegebenermassen sympathische und kreative Idee wird dem beworbenen Unternehmen wohl kaum etwas bringen - ausser lobenden Worten von Kreativen und dem Schulterklopfen aus der eigenen Branche.

Und Erfolg wäre durchaus angesagt bei der wirtschaftlichen Lage dieses Werbetreibenden. Wenn man sich mit einem - wie anzunehmen ist - sehr kleinen Kommunikationsbudget aber auch noch so was leistet, ist es nicht verwunderlich, wenn es der Firma nicht gut geht.



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