Stadt Zürich: Downtown Switzerland wird emotional

Miss-Zuerich

Die Stadt Zürich gibt sich ein neues Motto: Wir leben Zürich. Dieser Claim zur City löst vorübergehend "Downtown Switzerland" ab und soll mit Botschaftern wie Fiona Heft oder Heinz Spoerli in die Welt hinaus getragen werden.

Den Slogan finde ich ja nicht schlecht. Aber zu langweilig umgesetzt. Kein Züri-Leu oder Wappen und auch kein Schweizerkreuz. Da wäre grafisch attraktiveres möglich gewesen.

Auch wenn "Downtown Switzerland" für Nicht-Zürcher anmassend, ja typisch zürcherisch arrogant daher kommt, wirkt er im Ausland sicher besser als ein ziemlich nichtssagendes "Living Zürich".

Oder dient das Motto vorallem der Identifikationsstiftung? Integration ist ja zur Zeit total angesagt. Und Zürich wird überrannt von Immigranten. Vielleicht wird ja schon bald jedem Einwanderer mit dem Ausländerausweis auch noch ein T-Shirt abgeben. So schön.

ADC Jurierung 2007

Ein-Funktionaer

An diesem Wochenenden hat der neu aufgestellte ADC seine Auszeichnungen vergeben. Wer gewonnen hat, wissen wir aus den Branchen-Newslettern. Einige der prämierten Kampagnen sind mir auch aufgefallen, nicht alle positiv. Aber lassen wir die Kritik für einmal weg. Freut Euch der Würfel und produziert weiter den Rohstoff aus dem meine Beiträge entstehen.

OC Oerlikon: Lauda hält den Kopf hin

Vollgas-in-Oerlikon

Unaxis ist von den beiden österreichischen Financiers Stumpf und Pecik sowie dem Russen Vekselberg übernommen worden. Seither geht es nur noch aufwärts.

Letztes Jahr wurde Unaxis in OC Oerlikon umbenannt. Der Aktienkurs entwickelt sich prächtig. Die Geschäftszahlen auch. Der nach der Übernahme eingesetzte CEO Limberger (siehe Bild oben) ist auf Expansionskurs. Kürzlich hat man Saurer gepostet. Weitere Akquisitionen sind geplant. Alles in Butter?

Nein, denn mit der Reputation steht es nicht zum Besten. Die NZZ am Sonntag schreibt von mangelnder Transparenz, einer Blackbox, was die Informationen zum Geschäftsgang angeht. Die UBS ist besorgt über die aggressive Buchhaltungspraxis. Die für die weitere Finanzierungen der Expansion wichtigen Geldgeber rätseln über die Nachhaltigkeit von dem was da abgeht. Meinen die das ernst oder endet es wie bei Rey?

Dem wirken die Verantwortlichen mit einer Marketingoffensive entgegen. So wurde der Namenswechsel grosszügig mit ganzseitigen Inseraten kommuniziert. Zudem hat Oerlikon ein Engagement in der Formel 1 bei Redbull bekannt geben und jetzt kauft man sich zusätzliche Glaubwürdigkeit über das Dächlikäppli von Niki Lauda.

Das scheint geschickt, ist aber noch keine Garantie für den längerfristigen Erfolg. Auf Nikis Kappe stand auch schon mal Parmalat drauf.

GE Money Bank: Langsam zahlt's ein

kredite-gegen-unterkuehlten-kontenstand

Mir ist diese Kleinkreditgeschäft zuwider. Hochprozentige Zahlen sind mir nur bei der Rendite von Wertpapieren und auf Etiketten von edlem Gebranntem willkommen.

Aber das Business scheint zu florieren. Die CS versuchts neu mit Bank now, die Kantonalbanken seit längerem mit Cashgate und GE mit der Money Bank seit ungefähr 2 Jahren.

Nicht zu vergessen, die Gratis-Kreditkarten von Coop und Migros. Das sind ja eigentlich auch verkappte Kleinkreditgeschäfte. Die Partnerbanken sähen es noch ganz gerne, wenn wir die Rechnungen in Raten zurückzahlen würde. Zu partnerschaftlichen 9,9 % verzinst.

Aber kommen wir zur Werbung: GE Money Bank hat sich seit der Lancierung mit verschiedenen Auftritten versucht. Jetzt wurde ein Weg über Testimonials eingeschlagen. Ob man das mag oder nicht: Es schafft Nähe und Vertrauen.

Die in kühlen Farben gehaltene Bildwelt hat eine wiedererkennbare Identität und wirkt seriös.

Nur das Logo kommt noch zuwenig rüber/raus. Vielleicht sollte eine andere oder etwas fettere Titelschrift genommen und das Ganze etwas vom Logo abgesetzt werden.

Sprachlich ist das gemäss dem Texter-Blog nicht ganz in Ordnung. Ich find's insgesamt gelungen.

Helvetic Tours: Gut unterwegs

Ferien

Ferien-mit-Helvetic-Tours

Die zur Zeit laufende Kampagne hat zwei Stufen. Zuerst eine Wer-wirbt-denn-hier-Teaser-Phase und in dieser Woche die Auflösung.

Oft sind ja diese Rätsel-Kampagnen die reine Geldverschwenung. Hier nicht. Gerade weil es kein Rätsel ist. Wir haben den Claim schon lange gelernt. Darum war uns doch schon während dem ersten Aushang klar, wer dahinter steckt.

Hier sind die Verantwortlichen dem Idealfall, einen Werbeauftritt zu schaffen, der so klar positioniert ist, dass er auch ohne Logo auskommen würde, sehr nahe gekommen.

Hoffentlich zeigen die Leute auf Kundenseite Durchhaltewillen und wechseln nicht gleich bei der nächsten Personalrochade im Marketing die Agentur und den Auftritt.

Globus Reisen: Überall zu Hause

Horizonterweiterung

Ja, neu ist das nicht. Verschiedene Detailhändler bieten Reisen an. Interessant ist der Schritt von Globus aber doch. Ins Luxussegment hat sich noch kein Anbieter gewagt.

Letztes Jahr hat die Migros angekündigt, mit Globus Reisen Luxusreisen anzubieten. Diese Brand Extension muss ganz einfach funktionieren. Die Ausgangslage ist sehr gut.

Globus ist als Luxusmarke prädestiniert im oberen Segment der Reisebranche zu reüssieren. Die Warenhäuser sind mit Ihrer stilvollen Dekoration und dem kulinarischen Angebot selber schon eine Destination zur Befriedigung exotischer Sehnsüchte.

Die jetzt angelaufene Werbung ist stimmig. Die Motive sind gediegen gestaltet. Einzig den Veranstalter Hotelplan würde ich hier aus dem Spiel nehmen. Das ist (noch) keine Premium-Marke. Globus verspricht Qualität genug.

Die Website dürfte grosszügiger gestaltet sein. Wir sind jetzt doch definitiv aus dem 600 x 800 Pixel-Zeitalter raus. Das Scrollen in den kleinen Frames ist nervig.

Raiffeisen: Vom Weg abgekommen

Golden-Age-ab-37

Raiffeisen hat vor kurzem eine neue Agentur ausgesucht. Die erste Kampagne hängt seit ein paar Tagen an den Plakatwänden. Diese gefällt mir überhaupt nicht. Sie ist beliebig und austauschbar.

Wie konnte man vom Schlüsselbild-Konzept mit dem zum Horizont laufenden Weg - als Autobahn, Wanderweg oder was auch immer - abrücken?

Immerhin ist der seit Jahrzehnten etablierte Claim "Wir machen den Weg frei" nicht angetastet worden. Dieser wirkt aber vor der Türe zur Bank verloren. Was für ein Frevel an einem wunderbar funktionierenden Konzept!

Auch handwerklich ist zumindest das Motiv oben schlecht gemacht. Warum hat man eine knapp Vierzigjährige für das Shooting genommen, wenn man doch eigentlich eine Golden-Agerin abbilden wollte? Die grau eingefärbten Haare wirken derart künstlich, dass das ganze Motiv die Glaubwürdigkeit verliert.

Logitech: Leuchtwerbung illegal

Es-werde-Licht

In London und New York blinken die Leuchtreklamen und die Schweizer freuen sich daran. Zu Hause geht das aber nicht. Nänäisie!

Downtown Switzerland möchte ja auch ein bisschen Weltstadt sein, macht sich heute aber wieder einmal selber lächerlich.

Da fährt im Schutz der Dunkelheit - wie 20 Minuten berichtet - ein Guerilla-Werbeteam mit einem Kleinbus durch die Gassen und projeziert Werbedias an die Hauswände.

Schöne Idee, fällt auf, tut nicht weh, stört nicht. Stimmt nicht. Stört massiv, wenn auch nur die Behörden und eine Lobby der Dunkelheit.

Die Polizei lässt verlauten, dass das Treiben "illegal ist". Und überhaupt "gefährdet das die Verkehrssicherheit massiv". Wirklich?

Die Anti-Licht-Verschmutzungs-Oranisation Dark-Sky findet das "Schlicht gedankenlos". Hä?

Die Spiesser regieren also noch immer. Gute Nacht.

Werber des Jahres und die Zukunft

Peter Felser ist ein verdienter Sieger. Für den Rookie Pius Walter war es knapp, aber noch zu früh. Die drei auf dem Treppchen im 2007:

1. Platz Peter Felser
2. Platz Pius Walker
3. Platz Alexanger Jaggy

Für mich hat Pius Walker mit dem Fleurop-Spot die (Mini-)Kampagne des Jahres abgeliefert. Gewonnen habt die Stop-Aids-Kampagne.

Zurück zum Champion: Peter Felser beantwortet die Frage zu den (internetspezfischen) Veränderungen in der Werbung im Interview mit der Werbewoche wie folgt:

"Nach meinem Gefühl überschätzt man auch die Kreativität der Konsumenten. Es gibt Leute, die sagen, die Kreativität werde vom Konsumenten eingebracht, Stichwort MySpace, YouTube. Es ist nicht so, dass alles, was dort drin ist, einfach zum riesigen Erfolg wird und Millionen Leute das sehen wollen. Es hat ein paar tolle Ideen, aber es gibt auch Millionen von Flops. Einfach zu glauben, man könne die Markenführung dem Konsumenten überlassen, das finde ich zumindest
fragwürdig."

Da hat er recht. Ausnahmen gibt es. Diese hier ist sehr bemerkenswert: Miaarose ist gerade daran sich einen Plattenvertrag zu ersingen.



Alleine dieses Video verzeichnet innert einer Woche, bis heute Abend 345'202 Abrufe und 1'710 Kommentare. Das kann kein Inserat und kein Plakat und kein TV-Spot und wenn dann nicht ohne beträchtliches Budget.

- Nachtrag -

Es war irgendwie zu schön um war zu sein. Miaarose könnte wie schon Lonelygirl15 als Fälschung enden. Zumindest sind die Subscriber und Abrufzahlen zu hinterfragen, wie Heidilow herausgefunden hat.

Der Rolling Stone hat die Geschichte bereits aufgenommen.

Jetzt wird es nicht nur für Freunde des Online-Marketings interessant, wie sich der Fall weiterentwickelt. Eine professionell inszenierte PR-Kampagne eines Musiklabels oder doch nur ein optimales Ausnutzen der Möglichkeiten durch ein paar aufgeweckte Teenies? Bleiben wir dran.

Coop: Schweinebauch im Cholesack

Cholesack

Wir sind ja alle erleichtert. Die Migros hat unseren Denner vor den bösen Schwoben-Discountern gerettet. So ist das zumindest rübergekommen. Auch wenn das Umsatzpotential aus dem Wein- und Spirituosen-Regal mindestens so verlockend gewesen sein wird - gut eingewickelt haben die uns mit der Robin-Hood-Geschichte.

Nicht dass die jetzt laufende Kampagne eine direkt Antwort von Coop wäre. Die wollen ja schon länger billiger wahrgenommen werden.

So geht's aber nicht. Diese Kampagne ist total misslungen. Die Sujets fallen zwar auf. Aber nicht positiv.

Ok, der Titel sagt das Richtige. Aber der schwarze Trauerrand um die Produktpräsentation zieht's in den Keller. Die Produkte erscheinen trist und klein und farblos.

Weiss anstelle von Schwarz hätte wohl einen anmächeligeren Gesamteindruck ergeben.
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