Juan Isidro Casilla, Promi, Werber, Musiker, Künstler?

Das-kann-nur-ein-Inserat

Heute berichtet Persönlich und andere Medien über den Coup von Juan Isidro Casilla, der im SI-Style, im Heute und in der Sonntagszeitung je eine gefälschte Anzeige für Mode-Brands geschaltet hat. Und de Bescht: Der Auftraggeber setzt sich gleich selber als Model in Szene.

Verstecken tut er sich also nicht. Was will er dann? Berühmt werden. Das wäre geschafft. Besser für ihn, seine Reputation und berufliche Zukunft wäre es, wenn er Publizistik-, Soziologie- oder Kunststudent wäre und die ganze Geschichte als Performance mit künstlerischem Wert und Hintergrund verkaufen könnte. Ein Fall für das Dada-Museum?

Der entstandene Schaden wird auf 100'000 Franken geschätzt. Ja, liebe Verlage, wenn man den Tarif nimmt schon, aber rechnet doch nochmals nach. Das bisschen Papier und die halbe Stunde für das Annehmen und Abwickeln des Auftrages kann ja nicht die Welt kosten. Hoffentlich treten die für gewöhnlich eher humorlosen Juristen der Luxusmarken nicht auch noch nach.

Der Mann kann und wagt noch mehr: So sind auf Youtube zahlreiche Videos unter dem ebenfalls geklauten Künstlernamen Chayanne aufgeschaltet.



Das finde ich alles ganz toll. Mangelnde Motivation kann man ihm nicht vorwerfen und auch handwerklich sind die Aktionen perfekt umgesetzt. Ich bin gespannt, was jetzt passiert.

N A C H T R A G

Heute war Juan Isidro Casilla als Gast im Talk-Täglich auf Telezüri. Er hat sich entschuldigt. Seine Tat bereut er. Das Problem liegt in der Kindheit. Der Antrieb war ein übermässiges Verlangen nach Anerkennung. Der junge Mann schien sehr verunsichert. Hie und da gabs ein schelmisches Grinsen, man konnte sich kaum vorstellen, wie er all das mit dieser Professionalität auf die Reihe kriegte.

Die Tournee dürfte fürs erste zu Ende sein. Hier noch eine Zugabe. Ja, das ist er, nein, das singt er nicht selber.

Actimel: Zwei-Wochen-Trip mit Garantie

Was-flitzt-denn-da-so-gesund

Die Horror-Trilogie des Wohlbefindens schliesse ich mit diesem Post ab. Nach LC 1 und Activia fällt der Actimel-Spot seit längerem auf/ab.

Da spaziert also ein Päärchen am Nordseestrand. Plötzlich flitzen ihnen aus den Büschen und Dünen hervorschiessende Menschen um die Ohren.

Dieses Saunaclubmässige mag in den Nordländern ja funktionieren. Der eher der gepflegten Wellness-Landschaft zugeneigte Schweizer findet sich hier aber kaum wieder.

Auch nicht glaubwürdiger, aber zumindest mit Bezug zur Schweiz wäre der im Herbst ausgestrahlte Spot mit Jürg Kachelmann gewesen.

Jänu. Mit dem Pre- und Posttest wird sich der Erfolg schon beweisen lassen.

Hier klicken und Spot anschauen

Sony: Wo bitte spielt hier die Musik?

Wo-die-Musi-spielt

Im Heute von heute findet ihr eine Doppelseite zu einem neuen Musikservice von Sony mit dem Namen "Musicbox". Für die Zeitung ist das gut. Ob's für Sony das Optimum bringt bezweifle ich.

Warum? Weil die wichtigste Information fehlt: Die Internetadresse! Unglaublich, oder?

Starte ich den Browser und den ersten spontanen Versuch mit www.musicbox.ch lande ich bei Suche.ch, beim zweiten Anlauf mit www.musicbox.com sonstwo im Nirvana. Nur Google führt zum Ziel. Hier finde ich den URL:

musicbox.sonybmg.com

Eingängig ist das nicht und ganz sicher nicht das, was dem Leser des Inserates intuitiv einfallen würde. Der Kalender zeigt mir den 29. Februar 2007 und einer der grossen, wehklagenden Musik-Multis hat die Basics noch immer nicht im Griff.

Die Site selber macht mir optisch einen guten Eindruck. Da hat man - zum Glück - nichts Neues erfunden und sich an Youtube orientiert. Auch einen HTML-Code für die Einbindung in andere Sites und Blogs findet man mit etwas suchen.

Axpo: Bundesrat unter Strom

Koebi-hat-immer-recht

Die Axpo-Spots laufen erst ab Ende Februar im TV sind aber schon jetzt ein Thema bis rauf zu Bundesrat Leuenberger.

Da werden anscheinend alternative Energien schlecht gemacht. Ich habe mir die 5 gut produzierten Spots auf der schön eingerichteten Site www.energiedialog.ch angesehen und konnte keine Bösartigkeiten finden. Hat Leuenberger die Spots wirklich alle gesehen?

Aber warum nimmt sich ein Bundesrat überhaupt einer Werbekampagne an? Ich glaube, ich weiss wieso.

Leuenberger muss im Namen des Bundesrates und gegen den Willen seiner Gesinnung und Genossen ein AKW propagieren. Und weil er der Welt irgendwie doch noch seinen Unmut mitteilen will, frustet er jetzt bei dieser Gelegenheit gegen die zukünftige Kühlturmbetreiberin Axpo.

Ein Problem ist und hat darum eher Moritz Leuenberger als Köbi Kuhn.

Und weil heute Sonntag ist, zur Auflockerung noch etwas Musik zum Thema: Hier klicken für Stromzufuhr.

H&M: Strassentapete vom Feinsten

Der-Fruehling-ist-da

Da warte ich am Bellevue auf mein Tram und plötzlich steht neben mir diese wunderschöne Frau. Exotischer Teint, feenhafte Bekleidung, nur etwas billig schien sie mir, was mich dann auch stutzig machte.

Die Frau entstieg denn auch keinem Tram sondern einem Rolling-Star-Plakatkasten und hat mir nur scheinbar zugezwinkert.

Aber bleiben wir beim Business. H&M sollte eigentlich einen Spezialrabatt für die Dekoration unserer Städte erhalten. Toll, wie konsequent der Auftritt durchgezogen wird.

Wenn man diese aufgeräumte Umsetzung vor sich sieht, könnte der Eindruck entstehen, dass es doch ganz einfach sein muss, ein wirkungsvolles Plakat zu gestalten. Das scheint aber leider nicht allen so leicht zu fallen, wie wir ja immer wieder beobachten können.

Activia: Verfalldatum mehr als erreicht

Da-ist-das-Problem

Er läuft schon wieder, wieder und wieder, dieser einfältige Activia-Spot. Ich kann ihn nicht mehr sehen.

Hier, wie im ebenso tiefsinnigen LC-1-Spot, sind Verdauungsprobleme der Aufhänger. Habe ich da etwas verpasst, ist das ein neues Volksleiden? Oder wird den Frauen da etwas eingeredet?

Wohl eher das Zweite. Die Industrie sieht im Functional Food Wachtungspotenzial. Diese pseudo-medizinischen Produkte versprechen der gestressten Bevölkerung natürlich herbeigeführtes und wissenschaftlich bewiesenes Wohlbefinden und den Erzeugern eine gesunde Marge.

Ja aber gopferdelli, warum greifen die Product Manager bei den Gewinnaussichten werbemässig immer in die unterste Schublade? Bei diesen dämlichen Spots könnte man in der Tat Blähungen kriegen.

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Elbau: Ästhetisch aber ohne Charakter

Lecker-Kochen-mit-Elbau

Denkt der zukünftige Wohneigentümer an Schweizer Küchen kommen ihm sicher Piatti und vielleicht noch Forster in den Sinn.

Das soll sich ändern. Eine möglich Alternative soll Elbau aus der Ostschweiz werden.

Elbau baut sehr schön gezeichnete Küchen. Die Website ist aufgeräumt und passt denn auch zu den klaren Linien der Produkte.

Die 25-Sekünder sind auch schön gemacht, aber leider ziemlich nichtssagend. Die ersten 20 Sekunden könnten gerade so gut für eine Automarke, einen Uhrenhersteller oder ein Bekleidungslabel eingesetzt werden. Es fehlt der Bezug zum Produkt.

Etwas anderes ist mir aber zuallererst aufgefallen. Nicht, dass ich jetzt auch noch in den Strudel rund um die Diskussion der Deutschen in der Schweiz reingezogen werden, aber Swissness verkauft man nicht mit Stimmen, die ein so geschliffenes Hochdeutsch sprechen.

Richtig schlecht ist das alles sicher nicht. Für eine Positionierung auf dem angestrebt hohen Niveau muss die Werbung aber - wie die perfekte Küche auch - mehr als nur eine wertige Oberfläche bieten.

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Diesel: Wolkenlose Sicht in die Zukunft

Diesel-ohne-Filter

Diesel bewirbt die neue Kollektion mit überzeichneten Schönwetter-Sujets und nimmt damit den aufgekommenen Hype zur globalen Klimakatastrophe auf die Schippe. Denn pragmatisch gesehen, bringt die Erwärmung auch Positives: Längere Sommer = Gesunderen Teint und mehr Cabriofahren.

Genau das ist für die NZZ am Sonntag daneben. Plumpe Provokation wie es Benetton in den 90er getan hat und ein Zynismus der nicht mehr angesagt ist, sei es. Ein Soziologe wird zitiert und sogar Tschernobyl wird hervorgeschrieben.

Hier scheint mir ein neuer Trend in der PR und damit im Journalismus aufzukommen. Man erklärt etwas Ungeliebtes als Out und versucht damit das mit moralischer Argumentation kaum mehr erreichbare Volk über die Lifestyle-Schiene doch noch zu beeinflussen.

Ich finde die Kampagne gut, ja ein klein bisschen provokativ, vor allem aber ästhetisch umgesetzt. Man muss sich hier nicht auch noch Sorgen machen. Da geht's ums Geschäft. Zu behaupten, Diesel sei ein politisches Label, wäre ziemlich weit hergeholt.

Vichy: Hoffnung gestützt

Vichy-stuetzt-Hoffnung

Die Kosmetik-Werbung steht der Yoghurt-Reklame von der Einfältigkeit in nichts nach. Da jagt für gewöhnlich eine Banalität die nächste Worthülse.

Nicht dass das beim Vichy-Ausklapper in der Schweizer Illustrierten komplett anders wäre.

Auch hier wird von einer 7-jährigen Forschungszeit berichtet, dank der schon nach 30 Tagen 17% mehr Hautdichte und 26% gestrafftere Gesichtszüge erwartet werden darf. Dazu wird man mit esoterisch anmutenden Wirkstoffen und Formeln eingesalbt.

Interessant ist das Visual. Ein Halsmieder. Mieder, das wissen wir Männer aus den Lassiter-Romanen, stützen etwas bei der Frau. Das trifft auch hier zu. Die Gesichtshaut wird durch ein stützendes Lipo-Irgendwas vor der Erschlaffung bewahrt.

Kommt also rüber, die Botschaft. Gutes Design hat zu allererst die Funktionalität zum Ziel. Auch in der Werbung. Das ist hier erfüllt und darum läuft das Inserat bei mir unter guter Werbung.

Zweitens sollte Design auch Schönes schaffen. Was hier definitiv nicht der Fall ist. Aber lassen wir das. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch für die Werbung.

Stadt Zürich: Kein Anschluss unter dieser Adresse

ZH-Zwenig-Hirn

Ich fand den neuen Auftritt der Stadt Zürich ja nicht ganz so schlimm wie viel andere.

Aber jetzt wird's langsam peinlich. Heute schreibt 20 Minuten, dass nach "Wir-leben-Zuerich.ch" mit "LivingZuerich.ch" ein weiterer Domain Name von einer Privatperson gebucht werden konnte.

Da gibt die Stadt Zürich tausende von Franken für die Entwicklung eines Auftrittes aus und verpasst es die paar Domains zu je 27 Fränkli pro Jahr zu buchen.
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