Knorrli: Eine vergessene Werbe-Ikone

Knorrli-Superstar

Es gibt ja nicht wenige Marken die in der länger zurückliegenden Vergangenheit Identifikationsfiguren zu Ihrer Marke aufgebaut haben. Diese wurden dann irgendwann, vielleicht weil Sie altbacken daher kamen oder aus sonstwelchen mir nicht bekannten Umpositionierungsgründen, von der (Werbe-)Bühne gezerrt.

Der Knorrli ist ein solches Beispiel. Aber er lebt noch!

Wer eine solche Werbe-Ikone für sich zum Sammeln oder zum Verschenken an seine Lieblingsköchin haben möchte, kann den Knorrli im Online-Shop von Knorr für 9.50 Franken bestellen.

Auch schön: Das Gewürz-Menage-Set voll bestückt für 15.80 direkt vom Stammtisch. Gibt's auch in der Knorr-Boutique. Muss man eigentlich haben, oder?

Calida: Schön un/an/gezogen

Calida-Extravagant

Calida-Princess

Draussen wird es kalt. Das ist immer die Zeit, in der die Mädchen auf den Plakatwänden die Lümpen fallen lassen. So auch dieses Jahr.

Und Calida macht das wie vor einem Jahr auch in diesem Herbst brilliant. Hier wird das Image eines Pijama-Herstellers aufregend in einen Marke mit Sexappeal umpositioniert. So macht man das.

Und so macht man das nicht:

Beldona-Pappfiguren

Die teuren Models sehen aus wie aus Pappe. Kein Knistern. Da regt sich bei mir zumindest gar nichts. Aber das hatten wir ja schon.

Alpha Stellenmarkt: Konkurrenz werblich herausgefordert

Alpha-Stellenmarkt-Inserat

Letzthin habe ich die Kampagne von Jobs.ch gelobt.

Justus-Jonas war damals gar nicht meiner Meinung. Ich stehe noch immer dazu. Aber natürlich gibt es auch einen anderen Weg als das Kommunizieren des Sinn-und-Zwecks des Angebotes in Kombination mit der Marke.

Wie das geht macht zur Zeit Alpha vor. Die Tamedia bewirbt sich damit bei den Stellensuchenden in der Teppichetage.

Da wird gekonnt mit Ironie gespielt. Etwas was sehr oft, ja meischtens gründlich daneben geht, hier leise, ohne (zu)viele Worte und erst noch mit dem Fokus auf die Botschaft funktioniert.

Nach der völlig misslungenen Kampagne mit dem surfenden Anonymus ist dieser Auftritt voll geglückt.

Hier Spot abrufen

Soundtrack zu den eidgenössischen Wahlen 2007

Gimma

Keine Angst, hier wird nicht noch mehr Wahlwerbung kommentiert. Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht, welche Musik zu den Parteien und ein paar andere Beeinflussern unseres Regimes passen würden. Und das tönt so.

SVP: Göla – Büetzer
Der Song für die Helden des Alltags, für alle die Bau-Chnüttel, die befürchten von den billigen Ossis aus dem Job gedrängt zu werden. Geile Siech de Göla.

SP: Khaled – Aicha
Es ist kalt geworden in der Schweiz. Die um Harmonie bemühten Sozis ziehen den Wollpulli an lassen sich von Wohlfühlsound in eine wärmere Welt entführen.

FDP: Michael Bublé – Me and Mrs. Jones
Den Freidenkern unter den Liberalen steht die Welt offen. Sie dürfen sich globalisiert, etwas abgehoben und elitär geben. Der neue Sinatra passt hier bestens.

CVP: Baschi – Für’s Volk
Der Song für die andere, nette Volkspartei zmitzt aus der Mitte. Bei diesem Stück sehe ich unsere Lieblingsbundesrätin mitwippen und -singen. Nein nicht Calmy-Rey.

Grüne: John Lennon – Imagine
Ja, an Vorstellungskraft fehlt es den Grünen nicht. Sie träumen von einer besseren Welt und sehen diese untergehen. Allzu wirkt das verbittert und verbiestert. Lehnt Euch zurück und entspannt Euch!

EVP: Gospel Passengers – When the saints go marchin in
Die durchaus weltoffenen EVP lebt die Werte aus dem dicken Buch, das die meisten von uns kaum noch kennen. Traditionelle Werte sind wieder hoch im Kurs und darum passt dieser zeitlose Gospel bestens.

Rechtsaussen: Rammstein - Sonne
Nein, es wird nicht dunkel und die Schweiz geht den Bach runter. Dieser brachiale aber politisch korrekte Rock passt bestens zu den immer wieder heraufbeschworenen Bedrohungszenarien von der die rechte Szene lebt und sich nährt.

Linksaussen: Gimma – Hol dr an Politiker
Der grimmige junge Mann aus Chur bietet mit diesem Track all den frustrierten Secondos aus den Vorstädten eine Legitimation für die Randale mit dem Schwarzen Block.

Schweizer Nationalhymne
Die SP hat den Patriotismus mit der Rütlifeier wieder entdeckt, die FDP hatten wir schon, Blocher stellt sich vor die Fahne und nächstes Jahr ist Fussball-EM. Die Hymne erhält wieder viel mehr Aufmerksamkeit. Eine Cover-Version irgendeiner Berner Mundart-Pop-Kapelle scheint unvermeidlich. Wer kann mitsingen? Für alle anderen hier der komplette Text.




Nationalrat: Bin ich auserwählt?

Brief-Filippo

Am nächsten Wochenende ist es endlich soweit. Wir wählen die in Bern oben/drüben/unten.

Der Wahlkampf wurde ja diesmal mit besonderer Intensität geführt. Ein von der Tonalität her leise aber nichtsdestotrotz überraschende Massnahme ist der Brief, der mich direkt aus dem Bundeshaus erreichte.

Ich fühlte mich schon ziemlich geehrt, direkt im Namen des Vaterlandes angeschrieben zu werden und öffnete gwundrig den Umschlag.

Im Kuvert drin, fand ich dann den Bewerbungsbrief von Filippo Leutenegger, der sich als Nationalrats-Kandidat empfiehlt. Ein bisschen enttäuscht war ich dann schon, musste aber auch schmunzeln.

Das Schreiben: Gut verfasst, ohne Föteli, Parolen oder sonstwas Peinliches. Und ganz unten mit dem Vermerk, dass er das Porto selber bezahlt hat.

Obs ganz im Sinne von "Bern" ist, dass hier ein Kandidat den Absender des Bundeshauses verwenden, ist mir heute mal egal.

Schöne Idee. Den wähle ich, den Filippo.

Ifolor: Teures Rebranding für was?

ifolor-alles-neu

nck hat mich auf den (Un-)Fall ifolor aufmerksam gemacht. Persoenlich.com berichtet von der Lancierungskampagne von ifolor.

Das ist der neue Name für einen uns allen bekannten Fotodienstleister. Ja, warum denn ein neuer Name? Nachdem sich Photocolor Kreuzlingen, Fotolabo Club und Ifi Oy zusammengeschlossen haben soll nun dieser universell einsetzbare Brand eingeführt werden. Aha. Aber warum?

Wie Persoenlich.com berichtet, will das Unternehmen international auftreten können. Das erklärt für mich das Rebranding noch immer nicht. Photocolor ist in die anderen Märkte transferierbar, da in allen Sprachen aussprechbar. Und mit Photocolor.com besitzt das Unternehmen den internationalen Domain Name.

Diese Neubenamsung verursacht immense Kosten. Das viele Marketinggeld, was jetzt hier in der Schweiz investiert werden muss, hätte man wohl besser in die Erschliessung eben dieser internationalen Märkte gesteckt.

Etwas Positives doch noch, wenn auch nicht für ifolor. Dieser Neustart bietet anderen Marktteilnehmern die Chance, sich zu etablieren. Fotomaxx (ja der mit den zwei X) wirbt seit einiger mit sehr wirkungsvollen Spots. Go for it!

Schweizer Illustrierte: Den Leser nicht ernst nehmend

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Die Schweizer Illustrierte ist eine People-Zeitschrift. Sie bildet die Schweizer Prominenz vor und nach Schicksalsschlägen ab. All das geschieht mit einer fairen, positiven Art.

Also: Keine Paparazzi-Fotos und auch keine aufgedeckten Skandale. Die Leserschaft schätzt das und liest gerne wie gut es unseren Missen, Schauspielern und Politikern (wieder) geht.

Und jetzt diese Kampagne in der die netten Leser als geifernde Stalker dargestellt werden. Das ist total schief gelaufen. Ich glaube kaum, dass sich der und die Käufer/in der SI als aufdringliche Promijäger sehen.

Ja, die Frau Müller und der Herr Meier beobachten gerne von hinter dem Vorhang, aus welcher Boutique die Nachbarin eine Tasche nach Hause trägt oder welches Auto sich ihr Mann wieder leistet. Aber dieses Auf-Den-Pelz-Rücken triffts nicht.

Die Kampagne ist deswegen kein Skandal, dafür ist sie dann doch zu nett. Aber sie offentbart eine komische Innensicht des Verlags, was die eigenen Leser anbelangt.

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Sunrise: Geht die Sonne auf oder unter?

Am Wochenende ist er nun endlich gestartet, der neue Sunrise-Auftritt. Hier ein Plakat:

Sunrise-einfach-1

Ich habe in einen früheren Beitrag schon spekuliert wie die Kampagne aussehen könnte. So weit daneben bin ich nicht gelegen. Das rot-orange-gelbe Farbband als Identifikationselement und dazu eine eher kühl belichtete Bildwelt:

Sunrise-by-Paul

Auch wenn die Kampagne jetzt gefällig daher kommt, habe ich viel Kritik loszuwerden.

Warum die Verantwortlichen sich gerade für die Farbwelt der Konkurrenz entschieden haben, ist für mich auch jetzt nicht nachvollziehbar.

Die Probanden der Pre-Tests fanden die warmen Farben sicher schön und angenehm. Aber hat man in einem Blindtest auch gefragt, mit welchem Telecom-Unternehmen diese assoziert werden?

Ja und dann finde ich das Logo noch immer kein Logo. Es hat überhaupt keinen Charakter. Es braucht immer das Farbumfeld.

Dazu ist mir das einfach alles zu zu geschmeidig. Wie soll Sunrise positioniert werden? All die Schlagworte auf den Sujets kommen mir vor, wie direkt vom Flipchart des Branding-Workshops abgeschrieben.

Da wird "einfach" hervorgehoben, "authentisch" taucht auf. Ja welche Marke möchte das nicht sein? Aber wer ist hier authentisch, der Kunde oder der Dienstleister.

Und zu guter Letzt ist das gestalterisch in meinem Lieblingsmedium, dem Plakat, völlig ungenügend umgesetzt. Siehe ganze oben. Will man eine Marke (neu) bekannt machen, muss sie auch gebührlich hervorgehoben werden.

Da kann sich der Paul nicht zurückhalten. So könnte das funktionieren:

Sunrise-mit-einem-Schuss-Paul

Jobs.ch: Schön beworben

Pfeffer

Ich habe mich die ganze Zeit gefragt ob Jobs.ch es nicht nötig hat, zu werben. Natürlich läut der Stellenmarkt im Moment wie von alleine.

Angesichts der Offensive von Alpha und Jobwinner war es an der Zeit, dass die Nummer 1 im Schweizer Online-Jobmarkt sich auch werblich zeigt.

Und der Auftritt überzeugt. Hier hat jemand das Medium Plakat begriffen. Ein Bild, das Aufmerksamkeit abholt, einfache und vor allem kurze Botschaft und dazu ein Logo.

Was jetzt noch fehlt ist Kontinuität im kommunikativen Auftritt. Gerade wer Marktführer ist, sollte Standfestigkeit auch in der Bewerbung demonstrieren.

Oder mag sich noch jemand an den letzten Auftritt auf den Plakatwänden erinnern? Ich schon, aber lassen wir das.

Pack-die-Chance-jetzt

Pfeffer-fuer-die-Karriere

Migros Kulturprozent: Wüst daneben gegriffen

Migros-Kulturprozent

Das Kulturprozent wird 50 Jahre alt. Das wird grad mit einer Kampagne gefeiert. Und was für einer.

Was soll denn dieser Blödsinn? Wohnen nach Ansicht der Migros-Intellektuellen nur noch apathischen Blödleute in den Wohnblocks der Vorstadt?

Ja, die Betonwüsten der Agglos sind sicher keine Augenweide. Das Problem ist hier aber, dass dort die Leute wohnen, die der Migros die Umsätze bringen, auch die der Klubschulen, welche mit dem Kulturprozent unterstützt werden.

Trotz dem Aufkauf von Globus und den lancierten Premium-Linien verkörpert die Migros die grössmögliche Volksnähe. Dies ist im genetischen Markencode sozusagen unwiderruflich eingeflochten. So wird es zur Zeit grad mit dem exzellenten Film über Dutti wieder richtig schön ins Bild gerückt.

Dass die Ideale des Gründers gerade von den Denkern im Konzern ignoriert werden ist seltsam und passt so gar nicht zu diesem Unternehmen. Ein Elfenbeinturm am Limmatplatz? Nein so schlimm ist es nicht, aber ein bisschen mehr Sensibilität wäre schon angebracht.