05. Dezember 2007
SBB: Neben den Schienen

Heute habe ich eine Anzeige der obigen Kampagne im neuen Werbeträger News gesehen. Es hat Spass gemacht, die schöne, detailreiche Illustration zu erforschen. Da kommt die Botschaft rüber. Eine wunderbare Printkampagne!
Jetzt ist das dort oben aber der Sieger des APG-Poster-of-the-Week-Wettbewerbs der letzten Woche. Und das gibt mir arg zu denken.
Gopfertelli, was für Leute stimmen da ab? Hey, als Plakatkampagne ist das komplett unbrauchbar. Bild zu detailreich, Schritfen zu klein, Logo kaum wahrnehmbar.
Wie entsteht sowas: Hat hier der Mediaplaner vor Inangriffnahme seiner Arbeit die Sujets der Kampagne nicht gekannt? Das ist leider der Normalfall.
Oder hat sich der AD ganz einfach zu sehr in seine Arbeit verliebt und den Einsatzzweck der Kampagne aus den Augen verloren? Soll ja vorkommen.
Oder liegts ämänd sogar am Kunden, der vor lauter Jubel über die schönen Bilder sein ganzes Wissen über die Gestaltungsgrundsätze der Aussenwerbung aus dem Fenster geschmissen hat.
Im schlechtestens Fall ists eine Mischung aus allem, auch keine Seltenheit.



Kommentare
Meine persönliche Meinung zu diesem Sujet (nicht nur weil ich Bähnler bin) ist jedoch: Es tut gut, mal eine völlig andere Gestaltung auf den Plakatwänden zu sehen. Kein auf Hochglanz polliertes und mit Photoshop und hundert anderen Grafikprogrammen retuschiertes Topmodel, sondern ein detailreiches "Gemälde", das man länger als nur 1-2 Sekunden betrachtet.
Durch die für die Corporate Identity der SBB typische Schriftgestaltung am unteren Bildrand erkennt man trotzdem sehr rasch, für wen das Sujet wirbt.
Auch die Sujets für das Berner Oberland und das Wallis sind echt gelungen. Diese beiden werde ich - nebst dem Paris-Sujet - am kommenden Sonntagmorgen ( = Fahrplanwechsel) auf meinem Blog online stellen.
(Und nein, ich arbeite weder für die SBB noch die Limmat.)
OK, ein Fussgänger könnte noch davor stehenbleiben, und sich das detaillierte Composing zu Gemüte führen.
Die Plakate tauchen auch an Strassenlagen (Zielgruppe wohl die Autofahrer) auf und dort wird die Wahrnehmung nahezu "0" sein.
Ich bin natürlich nicht deiner Meinung. Dass sich das Layout der SBB etabliert hat, stimmt. Ob es allerdings für Plakat taugt ist eine andere Frage.
Hier geht es aber in erster Linie nicht um die Logo-Grösse sondern um das Bild.
Hat man die Zeit es zu betrachten - wie bei einem Inserat eben - funktionierts wunderbar.
Hängt das F12 aber an einer Strasse und fahre ich schon nur mit dem Tram mit vielleicht 20 Stundenkilometer dran vorbei, ist nichts zu erkennen.
Ich finde die Sujets ja auch gut. Auf dem Plakat funktionierts aber meiner Ansicht nicht. Zumindest nicht auf denen, welche an den Strassen hängen und vom Betrachter maximal 1 Sekunde wahrgenommen werden. Für den Detailreichtum brauchts Zeit. Und das funktioniert eher als Inserat.
Das stimmt, viele Plakate hängen an gut zugänglichen Lagen. Leider aber gut ebensoviele an Strassen. Und darum hat entweder die Media-Planung oder die Kreation einen Fehler gemacht oder dann halt der Kunde, welcher ja den Gesamtüberblick haben müsste.