Knorr: Vie bitte?

Sado-Maso-Dringg

Der strenge Drink für Masochisten

Es musste ja so kommen. Wie haben wir das verdient? Sogar in der fast werbefreien Zeit zum Jahresanfang bringt es ein Konsumgütler fertig eine Kampagne komplett in den Sand zu setzen.

Was hat denn diesen Produktmanager geritten - oder besser wer, muss hier wohl die Frage sein.

Darf ich raten: Man wollte einmal etwas total anderes von der Agentur. Herausgekommen sind Sujets, die krampfhaft versuchen, originell zu sein.

Was sollen die Figuren da, mich vom Drink fernhalten? Die Botschaft ist doch ganz einfach: Jetzt 21 Tage testen, bei Unzufriedenheit Geld zurück. Dann sagts doch einfach.

Zum Glück ist das Logo so klein, so richtet die Kampagne wenigstens keinen Schäden an. Ich wünsche allen Beteiligten ausreichend Abwehrkräfte gegen schlechte Verkaufszahlen und gute Besserung für die Nach-Paulsche-Zeit.

Universelles Leben: Aufessen und die Welt retten?

Fleischessen-schadet-universell

Dieses Plakat ist mir gestern aufgefallen. Die religiöse Bewegung "Universelles Leben", zu der es auch einen Wikipedia-Eintrag gibt, wirbt damit für sich und gegen das Fleischessen und damit für die Rettung der Erde. Oha.

Informationen finden sich kostenlos auf der Website. Dort steht, dass ein Rind pro Tag bis zu 250 Liter Methan ausscheidet. Die Zucht der Rindviecher ist damit also auch noch schuld an der Klimaerwärmung.

Was doch mit Angstmacherei alles versucht wird. Unglaublich, oder?

SBB: Neben den Schienen

SBB-Zuerich-Paris-Plakat

Heute habe ich eine Anzeige der obigen Kampagne im neuen Werbeträger News gesehen. Es hat Spass gemacht, die schöne, detailreiche Illustration zu erforschen. Da kommt die Botschaft rüber. Eine wunderbare Printkampagne!

Jetzt ist das dort oben aber der Sieger des APG-Poster-of-the-Week-Wettbewerbs der letzten Woche. Und das gibt mir arg zu denken.

Gopfertelli, was für Leute stimmen da ab? Hey, als Plakatkampagne ist das komplett unbrauchbar. Bild zu detailreich, Schritfen zu klein, Logo kaum wahrnehmbar.

Wie entsteht sowas: Hat hier der Mediaplaner vor Inangriffnahme seiner Arbeit die Sujets der Kampagne nicht gekannt? Das ist leider der Normalfall.

Oder hat sich der AD ganz einfach zu sehr in seine Arbeit verliebt und den Einsatzzweck der Kampagne aus den Augen verloren? Soll ja vorkommen.

Oder liegts ämänd sogar am Kunden, der vor lauter Jubel über die schönen Bilder sein ganzes Wissen über die Gestaltungsgrundsätze der Aussenwerbung aus dem Fenster geschmissen hat.

Im schlechtestens Fall ists eine Mischung aus allem, auch keine Seltenheit.

Mc Donalds: Identitätskrise?

Mc Donalds hat alles, was eine grosse Marke braucht. Einen hohen Bekanntheitsgrad, eine klare, wenn auch vielleicht nicht nur vorteilhafte Positionierung und einen charakteristischen grafischen Auftritt.

Aber genau bei Letzterem mangelt es in letzter Zeit. Jetzt laufen grad zwei TV-Spots, die überhaupt keine Verwandtschaft aufweisen. Einer zur Fussball-EM und einer zum Thema Qualität. Dazu dieses Plakat.

Plakat-Mc-Donalds

Die drei Massnahmen könnten auch von drei verschiedenen Firmen stammen.

Was ist hier los? Fett und bequem geworden? Oder nach dem Anti-Fett-Film das Selbstvertrauen für einen markanten Auftritt verloren?

Mögt Ihr Euch noch an die Plakatkampagnen anlässlich der China-Wochen von vor ein paar Jahren erinnern. Das waren Highlights. Und es braucht gar nicht viel und es wäre besser. Hier ein Vorschlag in die richtige Richtung:

Pauls-Mc-Donalds-Plakat

Leerdammer: So ein Käse

Leerdammer-mit-speziellem-Caractere

Eigentlich müsste die Schweizer Käsewirtschaft beunruhigt sein, wenn ein ausländisches Fabrikat in der Schweiz grossspurig beworben wird.

Nicht so in diesem Falle. Der Spot ist dermassen nervig, dass er die potenziellen Kunden wohl eher abschreckt als sie zum Ausprobieren zu animieren.

Hier wird der Konsument oder besser die Konsumentin 'mal wieder überhaupt nicht ernst genommen. Ich frage mich ja schon, welche Einschätzung ein Produktverantwortlicher von seinen Kunden hat, wenn er einen solchen Stuss auf Sendung gehen lässt.

Spot abrufen

Ifolor: Teures Rebranding für was?

ifolor-alles-neu

nck hat mich auf den (Un-)Fall ifolor aufmerksam gemacht. Persoenlich.com berichtet von der Lancierungskampagne von ifolor.

Das ist der neue Name für einen uns allen bekannten Fotodienstleister. Ja, warum denn ein neuer Name? Nachdem sich Photocolor Kreuzlingen, Fotolabo Club und Ifi Oy zusammengeschlossen haben soll nun dieser universell einsetzbare Brand eingeführt werden. Aha. Aber warum?

Wie Persoenlich.com berichtet, will das Unternehmen international auftreten können. Das erklärt für mich das Rebranding noch immer nicht. Photocolor ist in die anderen Märkte transferierbar, da in allen Sprachen aussprechbar. Und mit Photocolor.com besitzt das Unternehmen den internationalen Domain Name.

Diese Neubenamsung verursacht immense Kosten. Das viele Marketinggeld, was jetzt hier in der Schweiz investiert werden muss, hätte man wohl besser in die Erschliessung eben dieser internationalen Märkte gesteckt.

Etwas Positives doch noch, wenn auch nicht für ifolor. Dieser Neustart bietet anderen Marktteilnehmern die Chance, sich zu etablieren. Fotomaxx (ja der mit den zwei X) wirbt seit einiger mit sehr wirkungsvollen Spots. Go for it!

Schweizer Illustrierte: Den Leser nicht ernst nehmend

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Die Schweizer Illustrierte ist eine People-Zeitschrift. Sie bildet die Schweizer Prominenz vor und nach Schicksalsschlägen ab. All das geschieht mit einer fairen, positiven Art.

Also: Keine Paparazzi-Fotos und auch keine aufgedeckten Skandale. Die Leserschaft schätzt das und liest gerne wie gut es unseren Missen, Schauspielern und Politikern (wieder) geht.

Und jetzt diese Kampagne in der die netten Leser als geifernde Stalker dargestellt werden. Das ist total schief gelaufen. Ich glaube kaum, dass sich der und die Käufer/in der SI als aufdringliche Promijäger sehen.

Ja, die Frau Müller und der Herr Meier beobachten gerne von hinter dem Vorhang, aus welcher Boutique die Nachbarin eine Tasche nach Hause trägt oder welches Auto sich ihr Mann wieder leistet. Aber dieses Auf-Den-Pelz-Rücken triffts nicht.

Die Kampagne ist deswegen kein Skandal, dafür ist sie dann doch zu nett. Aber sie offentbart eine komische Innensicht des Verlags, was die eigenen Leser anbelangt.

schweizer-illustrierte_Plakat-2

Sunrise: Geht die Sonne auf oder unter?

Am Wochenende ist er nun endlich gestartet, der neue Sunrise-Auftritt. Hier ein Plakat:

Sunrise-einfach-1

Ich habe in einen früheren Beitrag schon spekuliert wie die Kampagne aussehen könnte. So weit daneben bin ich nicht gelegen. Das rot-orange-gelbe Farbband als Identifikationselement und dazu eine eher kühl belichtete Bildwelt:

Sunrise-by-Paul

Auch wenn die Kampagne jetzt gefällig daher kommt, habe ich viel Kritik loszuwerden.

Warum die Verantwortlichen sich gerade für die Farbwelt der Konkurrenz entschieden haben, ist für mich auch jetzt nicht nachvollziehbar.

Die Probanden der Pre-Tests fanden die warmen Farben sicher schön und angenehm. Aber hat man in einem Blindtest auch gefragt, mit welchem Telecom-Unternehmen diese assoziert werden?

Ja und dann finde ich das Logo noch immer kein Logo. Es hat überhaupt keinen Charakter. Es braucht immer das Farbumfeld.

Dazu ist mir das einfach alles zu zu geschmeidig. Wie soll Sunrise positioniert werden? All die Schlagworte auf den Sujets kommen mir vor, wie direkt vom Flipchart des Branding-Workshops abgeschrieben.

Da wird "einfach" hervorgehoben, "authentisch" taucht auf. Ja welche Marke möchte das nicht sein? Aber wer ist hier authentisch, der Kunde oder der Dienstleister.

Und zu guter Letzt ist das gestalterisch in meinem Lieblingsmedium, dem Plakat, völlig ungenügend umgesetzt. Siehe ganze oben. Will man eine Marke (neu) bekannt machen, muss sie auch gebührlich hervorgehoben werden.

Da kann sich der Paul nicht zurückhalten. So könnte das funktionieren:

Sunrise-mit-einem-Schuss-Paul

Migros Kulturprozent: Wüst daneben gegriffen

Migros-Kulturprozent

Das Kulturprozent wird 50 Jahre alt. Das wird grad mit einer Kampagne gefeiert. Und was für einer.

Was soll denn dieser Blödsinn? Wohnen nach Ansicht der Migros-Intellektuellen nur noch apathischen Blödleute in den Wohnblocks der Vorstadt?

Ja, die Betonwüsten der Agglos sind sicher keine Augenweide. Das Problem ist hier aber, dass dort die Leute wohnen, die der Migros die Umsätze bringen, auch die der Klubschulen, welche mit dem Kulturprozent unterstützt werden.

Trotz dem Aufkauf von Globus und den lancierten Premium-Linien verkörpert die Migros die grössmögliche Volksnähe. Dies ist im genetischen Markencode sozusagen unwiderruflich eingeflochten. So wird es zur Zeit grad mit dem exzellenten Film über Dutti wieder richtig schön ins Bild gerückt.

Dass die Ideale des Gründers gerade von den Denkern im Konzern ignoriert werden ist seltsam und passt so gar nicht zu diesem Unternehmen. Ein Elfenbeinturm am Limmatplatz? Nein so schlimm ist es nicht, aber ein bisschen mehr Sensibilität wäre schon angebracht.

SVP: Blocher for President?

Blocher-for-President

Claude Longchamp konnte uns beim letzten Wahlbarometer noch nicht sagen, ob das Geheimplan-Theater der SVP Wählerstimmen bringt oder nicht.

Ich kanns: Die Tendenz hat ins Negative gedreht. Der zur Zeit abgehende Zirkus nervt ganz einfach.

Die SVP wirkt schon lange nicht mehr souverän in ihren Bemühungen uns den Untergang der Heimat und den Sturz des Bauernkönigs zu verkünden.

Dass die Linken Blocher nicht wollen, ist kein Geheimplan, das war schon immer so.

Gerade von der SVP bin ich enttäuscht. Die einzige Partei mit einem profilierten Programm wirft dieses über Board und macht auf People-Business.

Der vorläufige - auch werberische - Tiefpunkt ist das Plakat da oben. Wählen wir am 21.10. einen Präsidenten? Irgendwie wirkt das ziemlich hilflos, ja peinlich.

Ich gehe jetzt Schäfchen zählen. Gute Nacht allerseits.
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